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Meine Toten schweigen tief Rose Ausländer:
Meine To­ten schwei­gen tief. Fo­tos von H.Zwi Sza­jer.
Zusammengestellt und he­raus­ge­ge­ben von Mat­thi­as Oel­rich.
Alano Ver­lag 1988, 90 Sei­ten, ISBN 3-924007-80-2

Zum 50. Jahres­tag der Reichs­po­grom­nacht vom 9. No­vem­ber 1938 ver­öf­fent­lich­te der Ala­no Ver­lag 1988 „Mei­ne To­ten schwei­gen tief“, eine Aus­wahl aus den Ge­dich­ten Rose Aus­län­ders in Kor­res­pon­denz mit Fo­to­gra­fien H. Zwi Sza­jers, die auf dem jü­di­schen Fried­hof an der Lüt­ti­cher Stra­ße in Aa­chen ent­stan­den sind.

Den 39 ganzseitigen Im­pres­si­o­nen ist je­weils ein Ge­dicht zu­ge­ord­net, das Trau­er und Schmerz, Ver­lust und Er­in­ne­rung in ei­nen be­rüh­ren­den Dia­log ver­wan­delt. Zu se­hen sind Grä­ber, Sym­bo­le und jah­res­zeit­li­che Ein­drü­cke, die durch Rose Aus­län­ders me­lan­cho­li­sche und zeit­lo­se Ver­se eine Tie­fe ge­win­nen, die weit über den kon­kre­ten Ort hi­naus­reicht.

Neue Zeichen
brennen
am Firmament

doch

sie zu deuten
kommt kein Seher

und

meine Toten
schweigen tief

Jüdisches Leben in Aa­chen lässt sich bis in die Zeit Karls des Gro­ßen nach­wei­sen. Eine pros­pe­rie­ren­de jü­di­sche Ge­mein­de ent­wi­ckel­te sich je­doch erst im 19. Jahr­hun­dert, eine ei­ge­ne Sy­na­go­ge wur­de 1839 ein­ge­weiht. Die Drang­sa­lie­rung der jü­di­schen Bür­ger be­gann kurz nach der Macht­er­grei­fung der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten und stei­ger­te sich bis zur voll­stän­di­gen Zer­stö­rung der Sy­na­go­ge in der Reichs­po­grom­nacht so­wie den an­schlie­ßen­den De­por­ta­tio­nen, die noch sechs Wo­chen vor der Be­frei­ung Aa­chens an­dau­er­ten.

Der Jüdische Fried­hof an der Lüt­ti­cher Stra­ße be­steht seit 1822 und wird bis heu­te ge­nutzt. Mehr als 2.100 Ver­stor­be­ne sind dort in­zwi­schen bei­ge­setzt.

Rose Ausländer (1901–1988) stu­dier­te Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft und Phi­lo­so­phie an der Uni­ver­si­tät Czer­no­witz und wan­der­te 1921 ge­mein­sam mit ih­rem Stu­dien­ge­fähr­ten Ig­naz Aus­län­der in die USA aus, wo sie ihre ers­ten Ge­dich­te ver­öf­fent­lich­te. Nach Czer­no­witz zu­rück­ge­kehrt, um ihre kran­ke Mut­ter zu pfle­gen, er­leb­te sie die Be­sat­zung durch die deut­sche Wehr­macht und über­leb­te die Shoah in ei­nem Kel­ler­ver­steck. Nach ei­nem er­neu­ten Au­fent­halt in den USA über­sie­del­te sie 1965 in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Ab den 1960er Jah­ren ent­wi­ckel­te sie ei­nen zu­neh­mend re­du­zier­ten, la­ko­ni­schen Stil: weg vom Reim, hin zu frei­en Ver­sen, kur­zen Zei­len und ver­dich­te­ter Bil­der­spra­che.

Hermann Zwi Sza­jer (*1948) ar­bei­tet in den Be­rei­chen Ma­le­rei, Fo­to­gra­fie, Zeich­nung, Col­la­ge und Raum­in­stal­la­tion. Sei­ne Fo­to­ar­bei­ten krei­sen the­ma­tisch häu­fig um jü­di­sche Ge­schich­te, Iden­ti­tät und Er­in­ne­rung.

Matthias Oelrich (*1943), der He­raus­ge­ber, ist The­a­ter- und Fern­seh­schau­spie­ler so­wie Re­zi­ta­tor.


→ Lyrik : Rose Ausländer

11. Juni 2026

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