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Ernst Peter Fischer: Leonardo, Heisenberg & Co Ernst Peter Fischer
Leonardo, Heisenberg & Co.
Eine kleine Geschichte der Wissenschaft in Porträts.
Serie Piper 2004, 359 Seiten
ISBN 3-492-23486-0

Nach dem Erfolg von "Aris­to­te­les, Ein­stein und Co." war es na­he­lie­gend, das weite Feld der Wis­sen­schaft durch wei­te­re Porträts einer in­te­res­sier­ten Le­ser­schaft näher zu brin­gen. Da­zu werden 20 Wis­sen­schaft­ler in acht Grup­pen zu­sam­men­ge­fasst, die jeweils mit einer wis­sen­schafts- und kul­tur­his­to­ri­schen Ein­lei­tung ver­se­hen sind. Das ver­mittelt einen gu­ten Eindruck über die Hin­ter­grün­de und Bedin­gungen wis­sen­schaft­li­cher For­schung durch die Jahr­hun­der­te.

Beginnend mit Leonardo da Vin­ci [1] und dem noch zu sei­nen Leb­zei­ten geborenen Gero­la­mo Cardano (Arzt und Ma­the­ma­ti­ker [2]) werden Frauen und Männer vor­ge­stellt, deren wis­sen­schaft­li­ches For­schen weg­be­rei­tend für die ei­ge­ne und spä­te­re Genera­tionen ge­we­sen ist. Maria Sibylla Me­rian, die, wie Leo­nar­do, Künst­lerin und Wis­sen­schaft­le­rin ge­we­sen ist, Ma­the­ma­ti­ker und Phi­lo­so­phen wie Leibniz, Sofia Ko­wa­lews­ka­ja oder Carl Fried­rich Gauß, Physiker wie Planck, Hei­sen­berg, Schrö­dinger oder Wolf­gang Pauli, Bio­lo­gen, Evo­lu­tions­for­scher und Ge­ne­ti­ker, die 359 Seiten sind dicht ge­füllt mit Wis­sens­wer­tem und In­te­res­santem.

Umso ärgerlicher, wenn man dann auf Nach­lässigkeiten (Georg Forster wird zwei Zeilen tie­fer zu Foster, S. 91) oder gar gro­be Fehler stößt: Der Dichter An­dre­as Arnold, dessen "Lob­ge­dicht" ("in dem die Me­ta­mor­pho­se als Symbol für Tod und Auf­er­ste­hung betrachtet wird – al­ler­dings nicht auf Gott, son­dern auf den Men­schen be­zo­gen." S. 59) Maria Sibylla Me­rians "Raupenbuch" ein­lei­tet, ist tatsächlich der Theo­lo­ge Chris­toph Arnold und es lobt die Autorin, die Me­ta­mor­pho­se kommt darin überhaupt nicht vor. Die wird weiter hinten im Buch, nämlich im "Rau­pen­lied" vom selben Autor, be­han­delt und ist eine einzige Lob­prei­sung Gottes. Und wenn im letzten Satz des Kapitels zu Maria Sibylla Merian ein wun­der­schöner, nach ihr be­nann­ter Schmet­ter­ling "Inga merianae" genannt wird [3], so bleibt fest­zustellen, dass es sich bei der Gattung "Inga" um Mi­mo­sen­ge­wächse handelt.

Der von Fischer als Autor des Ge­dichts genannte Andreas Ar­nold ist übrigens der Sohn von Christoph Arnold.

Natürlich schmälert das den Ge­nuss der Lektüre dieses Bu­ches, das ich den­noch für le­sens­wert halte. Die Ein­bet­tung wis­sen­schaft­li­cher For­schung in eine kultur­his­to­rische Um­ge­bung, wie sie hier dar­ge­stellt wird, ist in dieser knap­pen Form be­mer­kens­wert.

Ernst Peter Fischer ist Wis­senschaftshistoriker mit einer um­fang­rei­chen Pu­bli­ka­tions­lis­te und aktiver Blogger:
-Blog Ernst Peter Fischer
-Wissenschaftsfeuilleton epfischer

Die Einbandillustration stellt ei­ne Aus­schnitt­ver­größerung aus dem Wildunger Altar (Pas­sions­altar) dar, der um 1403 von Con­rad von Soest ge­stal­tet worden ist. Der "Brillenapostel" ist Teil des Pfingst­geschehens und die erste Dar­stellung einer Bril­le nördlich der Alpen.

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1. "Selten ist in einer einzelnen Per­son so sichtbar geworden, was der Mensch vermag, wenn er Kunst und Wissenschaft nicht iso­liert be­treibt, sondern ver­bin­det. Span­nend ist dabei, daß Leonardo zwar als Künstler den Gipfel der Voll­en­dung erreicht hat, daß er als Wis­sen­schaft­ler und Ingenieur aber vor allem ein Wegbereiter war, der die Richtung gesehen hat, in der wir gehen können." S. 34

2. "Cardano hat ungeheuer viel ge­schrie­ben. Die Ge­samt­aus­ga­be sei­ner Werke umfaßt 10 Folio­bän­de mit mehr als 7000 Seiten." S. 43

3. Nach Maria Sibylla Merian sind 6 Pflan­zen, 9 Schmetter­linge und 2 Kä­fer benannt.

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23. Mai 2021

Wissenschaft

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