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Lothar Frenz Riesenkraken und Tigerwölfe Lothar Frenz
Riesenkraken und Ti­ger­wöl­fe.
Auf den Spuren der Kryp­to­zoo­lo­gie.
Rowohlt Taschenbuch 2003, 249 Sei­ten
ISBN 3-499-61625-4

Kryptozoologen suchen nach Be­wei­sen für die Exis­tenz von Tier­ar­ten, die als aus­ge­stor­ben gel­ten und/­oder aus Fa­beln und Le­gen­den be­kannt sind. Neben vie­len Ein­zel­per­so­nen, die sich dieser Suche wid­men, gibt es auch im­mer wie­der, meist kurz­le­bi­ge, Ver­ei­ni­gun­gen und Pu­bli­ka­tio­nen, über die Interessierte und An­hän­ger In­for­ma­tio­nen aus­tau­schen. Als Be­grün­der der Kryp­to­zoo­lo­gie gilt Bernard Heu­vel­mans (1916 – 2001), der sich nach einem Stu­dium der Zoologie zu­neh­mend für un­ge­lös­te Fragen und au­ßer­ge­wöhn­li­che Phä­no­me­ne sei­ner Fachrichtung in­te­res­sier­te.

Überall auf der Welt gibt es Be­rich­te und Mythen über ge­heim­nis­vol­le men­schen­ähn­li­che We­sen, die in un­zu­gäng­li­chen Gebieten leben. Sind es Ho­mi­ni­den, de­nen in öko­lo­gi­schen Ni­schen das Über­le­ben aus der Frühzeit der mensch­li­chen Evolution ge­lun­gen ist? Es exis­tie­ren unzählige Be­rich­te über Begegnungen mit die­sen Wesen, die auch als Big­foot, Ye­ti, Sas­quatch oder Wald­men­schen be­zeich­net wer­den. Es gibt sogar Fo­to­gra­fien und Film­auf­nah­men von sol­chen Be­geg­nun­gen und den­noch sind die Be­wei­se (Fuß­spu­ren, Kno­chen­fun­de u.ä.) für die Exis­tenz die­ser Wesen nach wie vor um­strit­ten. Allzu häu­fig stellten sich sol­che "Be­wei­se" als ge­fälscht oder wenigstens ma­ni­pu­liert he­raus, was aber den Hard­core­kryp­to­zoo­lo­gen nicht an­ficht, ei­ner wis­sen­schaft­li­chen Un­ter­su­chung sol­cher Phä­no­me­ne al­ler­dings einen Bä­ren­dienst er­weist.

Tatsächlich werden hin und wie­der legendäre oder für aus­ge­stor­ben gel­ten­de Tier­ar­ten "ent­deckt". Die be­kann­tes­ten Bei­spie­le sind ver­mut­lich der Quas­ten­flos­ser, der vor mehr als 60 Mil­lio­nen Jah­ren aus­ge­stor­ben sein soll­te. Und der Rie­sen­kal­mar, den man als See­manns­garn oder Teil di­ver­ser My­then an­sah. Lo­thar Frenz kon­zen­triert sich auf die Er­wä­gung der Mög­lich­kei­ten sol­cher Wie­der­ent­de­ckun­gen und schildert ei­ne Viel­zahl von Ver­su­chen, Tiere oder Ho­mi­ni­den in ab­ge­le­ge­nen und un­zu­gäng­li­chen Ge­bie­ten auf­zu­spü­ren. Die meis­ten die­ser Un­ter­neh­mun­gen blie­ben er­folg­los, ent­deck­ten je­doch da­bei un­be­kann­te Ar­ten, deren Po­pu­la­tio­nen in der Fol­ge nicht sel­ten erst de­zi­miert wur­den und dann ver­schwan­den.

Lothar Frenz ließ sich – nach ei­nem Studium der Bio­lo­gie – jour­na­lis­tisch ausbilden. Er schreibt für GEO, ver­fasst Dreh­bü­cher für Tier­do­ku­men­ta­tio­nen und ist Autor meh­re­rer Bü­cher über Bio­di­ver­si­tät. Sei­ne Skepsis ge­gen­über ei­ni­gen As­pek­ten der Kryp­to­zoo­lo­gie und ihrer Vertreter ist deut­lich ge­rin­ger aus­ge­prägt als die Fas­zi­na­tion für weitere spek­ta­ku­lä­re Ent­de­ckun­gen: "Nach heutigem Wis­sens­stand könnte es im Lau­fe der mensch­li­chen Stam­mes­ge­schich­te bis zu 20 Ho­mi­ni­den­ar­ten ge­ge­ben haben. (...) Noch in jüngster erd­ge­schicht­li­cher Zeit, aus evo­lu­tio­nä­rer Per­spek­ti­ve gesehen bis vor ei­nem kurzen Au­gen­blick, exis­tier­ten drei Men­schen­for­men ne­ben­ei­nan­der: der Homo sa­piens, der Ne­an­der­ta­ler und bis vor etwa 40.000 Jah­ren wohl auch der Ho­mo erectus. Die heu­ti­ge Si­tua­tion, die uns so selbst­ver­ständ­lich er­scheint – der mo­der­ne Ho­mo sapiens als ein­zi­ge Men­schen­form auf der Er­de –, ist in der fünf Mil­lio­nen Jahre dau­ern­den Mensch­heits­ge­schich­te die gro­ße Aus­nah­me.
Was also, wenn wir doch nicht allein wären – und sie wirk­lich über­lebt hätten?" (S. 240)

Abschließend listet Frenz auf achteinhalb Sei­ten "Ent­de­ckun­gen und Wiederfunde be­son­ders spek­ta­ku­lä­rer Tier­ar­ten" im 20. Jahr­hun­dert auf.


30. April 2024

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