Hartwig Hausdorf:
Begegnungen mit dem Unfassbaren. Reiseführer zu phantastischen Phänomenen.
Herbig Verlag 2008, 253 Seiten, ISBN 978-3-7766-2582-0
Wenn dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, wirst du jedes Problem als Nagel betrachten. Heißt es. Und wenn du Hartwig Hausdorf oder Erich von Däniken bist, dann lässt sich jedes noch ungelöste Rätsel mit der Prä-Astronautik klären. Was schade ist, denn der Rätsel sind viele und die Befassung mit ihnen ist faszinierend und lehrreich.
Bekannteren Phänomenen wie den zum Teil ins Meer führenden „Karrenspuren“ auf Malta, den Steinskulpturen auf den Osterinseln und der weltweit verbreiteten Praxis der Schädeldeformationen stellt Hausdorf in „Begegnungen mit dem Unfassbaren“ auch weniger bekannte gegenüber, wie die zahlreichen Pyramiden in China, rätselhafte Artefakte aus Museen und Sammlungen wie das Monstrum Humanum Rarissimum*, das im Heimatmuseum in Waldenburg zu sehen ist, um nur einige zu nennen. Allen gemeinsam ist laut Hausdorf ihre Verbindung zu den Göttern, die in Wahrheit extraterrestrische Astronauten waren, die in grauer Vorzeit den Menschen oder ihren Vorläufern wesentliche Hilfestellung bei ihrer Menschwerdung geleistet haben. Man kennt das von Erich von Däniken, und Hartwig Hausdorf ist sein getreuer Adept.
Mal abgesehen von den physikalischen Hürden, die interstellare Reisen nach allem, was wir wissen (und von mehr können wir vorerst nicht ausgehen), extrem unwahrscheinlich machen, bleiben die naheliegenden Fragen: Wozu und warum kamen sie? Und warum verschwanden sie wieder? Warum gibt es keine konkreten Artefakte wie fremdartige Legierungen oder Werkzeuge, die ihre Anwesenheit zweifelsfrei belegen würden? Und warum wirken die figürlichen Darstellungen der „Götter“ alle ausgesprochen humanoid, anstatt eine völlig eigenständige, exobiologische Evolution widerzuspiegeln? Fragen, die den gläubigen Prä-Astronautiker nicht anfechten werden. Denn in seinem geschlossenen Weltbild gibt es auf alles eine Antwort, angezweifelt werden nur wissenschaftliche Erklärungen, die allerdings, und das darf man nicht verschweigen, ebenfalls nicht alles plausibel erklären können. Nur ist „wir wissen es noch nicht genau“ etwas anderes als „also waren es Aliens“. Die Annahme einer hochentwickelten Alien-Spezies, die Millionen Kilometer reist, um Steine auf der Erde zu stapeln, wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Und tatsächlich sind viele der von Hausdorf und von Däniken angeführten „Rätsel“ längst teilweise oder vollständig wissenschaftlich untersucht worden. Dass nicht jede Frage abschließend beantwortet ist, macht außerirdische Besucher nicht wahrscheinlicher.
Interessanter als die Erklärungsversuche der Prä-Astronautik dürfte ohnehin der Umstand sein, dass die Auflösung eines Rätsels durch ein noch größeres Rätsel Millionenumsätze generieren kann.
Die Vorstellung eines Kontaktes außerirdischer Zivilisationen mit der Erde in einem frühen Stadium der Menschheitsgeschichte wird oft auf den amerikanischen Schriftsteller Charles Fort (1874-1932) zurückgeführt, der 1919 in seiner Sammlung unerklärlicher Phänomene spekulierte, die Menschheit könne „Besitztum“ Außerirdischer sein. Tatsächlich gilt Fort eher als Vorläufer denn als eigentlicher Begründer der Idee: Er betonte ausdrücklich, selbst nicht an die von ihm gesammelten Spekulationen zu glauben, und ähnliche Gedanken finden sich bereits zuvor in der Theosophie des späten 19. Jahrhunderts sowie in der frühen Science-Fiction-Literatur um 1900. Die moderne Prä-Astronautik speist sich vor allem aus der Interpretation zahlreicher Mythen und Schöpfungsgeschichten über das Auftreten von Göttern und wurde erst durch Erich von Dänikens „Erinnerungen an die Zukunft“ zur Massenbewegung.
Hartwig Hausdorf (*1955) ist ein enorm produktiver Autor. Wikipedia listet 30 Titel auf, die zwischen 1994 und 2022 erschienen sind und sich überwiegend mit Grenzwissenschaften, ungelösten Rätseln und prä-astronautischen Spekulationen beschäftigen. Darüber hinaus organisiert Hausdorf Reisen zu den Schauplätzen seiner Bücher.
* Fötus eines acht Monate alten Kindes, das 1735 im sächsischen Taucha tot geboren wurde. Das Kind war wegen seiner außergewöhnlichen Form bereits im 18. Jahrhundert Gegenstand von Untersuchungen. Der Leipziger Arzt Gottlieb Friderici verfasste 1737 eine Abhandlung mit dem Titel „Monstrum Humanum Rarissimum“, die den Fötus zwar eingehend beschrieb, aber keine Erklärung für seine Missbildung fand. Spätere Untersuchungen stellten eine seltene Chromosomenanomalie (vermutlich das Roberts-Syndrom) fest, konnten aber keine Mitwirkung Außerirdischer nachweisen.
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19. Juni 2026