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Ulrike Heider Robert Reitzel Ulrike Heider:
Der arme Teufel.
Robert Reit­zel – Vom Vor­märz zum Hay­mar­ket.
Elster Verlag 1986, 194 Sei­ten, ISBN 3-89151-033-0

Robert Reitzel (1849-1898) war ein deutsch-ame­ri­ka­ni­scher Schrift­stel­ler, Jour­na­list und ra­di­ka­ler So­zial­kri­ti­ker. Ge­bo­ren am 27. Ja­nu­ar 1849 in Wei­te­nau bei Lör­rach (Ba­den), wan­der­te er 1870 in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten aus, wo er sich in De­troit nie­der­ließ und als Pu­bli­zist tä­tig war.

Reitzel en­ga­gier­te sich aktiv in der frei­geis­ti­gen und anar­chis­ti­schen Be­we­gung un­ter deutsch­spra­chi­gen Immi­gran­ten in den USA. 1884 grün­de­te er die Zeit­schrift „Der arme Teu­fel“, die sich zu ei­nem Sprach­rohr für reli­gions­kri­ti­sche, sozia­lis­ti­sche und li­te­ra­ri­sche In­hal­te ent­wi­ckel­te. Mit schar­fem Witz, pole­mi­schem Stil und lite­ra­ri­schem An­spruch kri­ti­sier­te er Kir­che, Staat und bür­ger­li­che Mo­ral.

Trotz stän­di­ger Über­wa­chung durch die Be­hör­den ließ sich Reit­zel nicht davon ab­hal­ten, sich lei­den­schaft­lich für die zum Tode ver­ur­teil­ten Anar­chis­ten ein­zu­set­zen, die für das Hay­mar­ket-Atten­tat ver­ant­wort­lich ge­macht wur­den. Eben­so en­ga­gier­te er sich für Ale­xan­der Berk­man, der ei­nen Atten­tats­ver­such auf den In­dus­triel­len Hen­ry Clay Frick ver­übt hat­te, ei­nen der Haupt­ver­ant­wort­li­chen für die blu­ti­ge Nie­der­schla­gung ei­nes Ar­bei­ter­streiks.

Robert Reitzel starb am 31. März 1898 in De­troit an Lun­gen­tu­ber­ku­lo­se.

Die Autorin zeichnet nicht nur die Sta­tio­nen sei­nes Le­bens nach, son­dern auch sei­ne geis­ti­ge Ent­wick­lung, die nicht ohne Wi­der­sprü­che ge­we­sen ist, und kei­nes­wegs mit den Er­eig­nis­sen rund um den Hay­mar­ket-Pro­zess en­de­te, wie der Un­ter­ti­tel des Bu­ches mög­li­cher­wei­se sug­ge­riert. Bis zu­letzt, und das über ei­nen Zeit­raum von wei­te­ren zwölf Jah­ren, setz­te er sei­nen Kampf ge­gen Bi­got­te­rie, Mi­li­ta­ris­mus und Na­tio­na­lis­mus fort. Sein Wir­ken reich­te bis nach Eu­ro­pa und fand bei Per­sön­lich­kei­ten wie Gus­tav Lan­dau­er und Erich Müh­sam nach­hal­ti­ge Re­so­nanz.

Das Buch ver­sam­melt zu­dem eine Aus­wahl von Tex­ten von und über Ro­bert Reit­zel, da­run­ter Er­in­ne­run­gen von Emma Gold­man und Gus­tav Lan­dau­er.

Ulrike Heider (*1947) stu­dier­te Po­li­tik und Ger­ma­nis­tik in Frank­furt am Main. Sie ver­öf­fent­licht Bü­cher, Es­says und Ra­dio­sen­dun­gen und lebt in Ber­lin und New York.


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8. Juli 2025

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