Kassiber Fritz Heymann
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Fritz Heymann Abenteuer der Juden Fritz Heymann:
Der Chevalier von Gel­dern. Eine Chro­nik der Aben­teu­er der Ju­den.
Mit einem Vor­wort von Her­mann Kes­ten.
Joseph Melzer Ver­lag 1963, XVI/­480 Sei­ten.

Fritz Heymanns Werk „Der Che­va­li­er von Gel­dern. Eine Chro­nik der Aben­teu­er der Ju­den“ ist eine li­te­ra­risch ge­stal­te­te Samm­lung von Le­bens- und Schick­sals­be­schrei­bun­gen jü­di­scher Aben­teu­rer, Glücks­rit­ter, Ent­de­cker, Kämp­fer, Ge­lehr­ter und Au­ßen­sei­ter aus ver­schie­de­nen Jahr­hun­der­ten in Form ei­ner Chro­nik, die zu­gleich eine al­ter­na­ti­ve Ge­schichts­schrei­bung des jü­di­schen Vol­kes dar­stellt: Statt Ver­fol­gung und Leid rückt sie Ta­ten­drang, Mut und Le­bens­freu­de in den Vor­der­grund. Fritz Hey­mann schil­dert ihre Schick­sa­le nicht in streng wis­sen­schaft­li­cher Form, son­dern in le­ben­dig er­zähl­ten Epi­so­den.

Namensgebend ist Si­mon von Gel­dern (der „Che­va­lier“), ein weit­ge­reis­ter jü­di­scher Aben­teu­rer und Kab­ba­list des 18. Jahr­hun­derts und ein Groß­on­kel Hein­rich Hei­nes. Sei­ne Rei­sen durch Eu­ro­pa, Nord­af­ri­ka und den Na­hen Os­ten so­wie sei­ne Be­geg­nun­gen mit un­ter­schied­lichs­ten Kul­tu­ren sym­bo­li­sie­ren den Frei­heits­drang und die Aben­teu­er­lust, die Hey­mann auch bei vie­len an­de­ren por­trä­tier­ten Per­sön­lich­kei­ten her­vor­hebt.

Daneben erzählt das Buch von Bo­xern, Di­plo­ma­ten, Kauf­leu­ten, Sol­da­ten, Ge­lehr­ten, Hoch­stap­lern und Vi­sio­nä­ren, die sich trotz ge­sell­schaft­li­cher Aus­gren­zung be­haup­te­ten oder au­ßer­ge­wöhn­li­che Leis­tun­gen voll­brach­ten. Zum Bei­spiel:

Daniel „Danny“ Men­do­za: Ein be­rühm­ter eng­li­scher Bo­xer des spä­ten 18. Jahr­hun­derts, der den mo­der­nen Box­stil (das „wis­sen­schaft­li­che Bo­xen“) maß­geb­lich mit­präg­te. Er ver­tei­dig­te sei­ne Ehre und die der jü­di­schen Ge­mein­schaft im Ring und wur­de zum Cham­pion von Eng­land.

Jüdische Piraten und Ent­de­cker: Hey­mann be­schreibt Fi­gu­ren wie die jü­di­schen See­räu­ber, die nach der Ver­trei­bung aus Spa­nien (1492) auf den Welt­mee­ren Jagd auf spa­ni­sche Ga­le­o­nen mach­ten, um Ra­che zu neh­men.

Soldaten und Frei­heits­kämp­fer: Be­rich­te über Ju­den, die in den Ar­me­en der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­tion, in den ame­ri­ka­ni­schen Un­ab­hän­gig­keits­krie­gen oder in den Be­frei­ungs­krie­gen ge­gen Na­po­leon kämpf­ten.

Das Buch ist un­ter­halt­sam und span­nend ge­schrie­ben.

„Der Chevalier von Gel­dern“ ist zu­erst 1937 im Ams­ter­da­mer Exil-Ver­lag Que­ri­do er­schie­nen. Da­mals trug es noch den Un­ter­ti­tel „Eine Chro­nik vom Aben­teu­er der Ju­den“. Die Vor­ar­bei­ten dazu rei­chen bis in die 20er Jah­re zu­rück. Die 1963 im Jo­seph Mel­zer Ver­lag er­schie­ne­ne Neu­auf­la­ge ist ein pho­to­me­cha­ni­scher Nach­druck der frü­he­ren Auf­la­ge. Er­gänzt durch das um­fang­rei­che und er­hel­len­de Vor­wort von Her­mann Kes­ten.

„Der Chevalier von Gel­dern. Eine Chro­nik vom Aben­teu­er der Ju­den“ ist das be­kann­tes­te Werk des deut­schen jü­di­schen Jour­na­lis­ten und Schrift­stel­lers Fritz Hey­mann (1897–1944), des­sen ei­ge­nes Le­ben nicht we­ni­ger aben­teu­er­lich war als das sei­ner Pro­ta­go­nis­ten. Be­reits als Gym­na­si­ast mel­de­te er sich frei­wil­lig zur Ar­mee, ge­riet in eng­li­sche Kriegs­ge­fan­gen­schaft und floh. Nach Kriegs­en­de schloss er sich ei­nem Frei­korps an und war an der ge­walt­sa­men Nie­der­schla­gung des Spar­ta­kus-Auf­stands in Ber­lin be­tei­ligt. Als die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten 1933 die Macht über­nah­men, floh er über das Saar­land und Frank­reich in die Nie­der­lan­de. Nach dem Ein­marsch der deut­schen Wehr­macht konn­te er sich dort ei­ni­ge Jah­re ver­steckt hal­ten, wur­de je­doch 1942 ent­deckt und ge­mein­sam mit sei­ner Mut­ter nach The­re­sien­stadt de­por­tiert. 1944 wur­de er in Ausch­witz er­mor­det.

„Der Autor des ‚Che­va­lier von Gel­dern‘ Fritz Hey­mann wur­de von sei­nen Lands­leu­ten ver­gast. Von sei­nen zwei Ver­le­gern ent­kam der eine, Fritz Lands­hoff, mit ge­nau­er Not dem sel­ben Schick­sal, der andre, der Hol­län­der Que­ri­do, wur­de ver­gast. Das Buch sel­ber wur­de ver­bo­ten, ver­brannt, ein­ge­stampft.“ S. IX

Fritz Heymann Chevalier von Geldern

Judaica

29. Juni 2026

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