Kassiber Zauberkunst
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Carl Graf von Klinckowstroem Die Zauberkunst Carl Graf von Klin­ckow­stroem:
Die Zauberkunst.
Ernst Heimeran Ver­lag 1954, 139 Sei­ten, mit 11 Holz­schnit­ten von Al­fred Za­cha­ri­as und 52 Ab­bil­dun­gen.

„Die Zauberkunst“ ist Rück­schau und Über­blick in ei­nem. Klin­ckow­stroem zeich­net die Rol­le der Ma­gier und Zau­be­rer vom Cro-Mag­non-Men­schen über die Höh­len­ma­le­rei­en Nord­spa­ni­ens bis zu den Pries­tern des al­ten Ori­ents nach, de­nen be­reits be­stimm­te Tricks und Täu­schun­gen be­kannt wa­ren, – Tech­ni­ken, die sich über die Jahr­hun­der­te er­hal­ten und ver­fei­nert ha­ben und bis in die Ge­gen­wart rei­chen. Aus Re­li­gion und Spi­ri­tis­mus kom­mend, wan­delt sich die Ma­gie im Lauf der Auf­klä­rung all­mäh­lich zur welt­li­chen Un­ter­hal­tung, ehe sie im 19. Jahr­hun­dert mit Ro­bert-Hou­din end­gül­tig die Büh­ne er­o­bert und zur ei­gen­stän­di­gen Kunst­form wird.

Im antiken Grie­chen­land und Rom tra­ten Gauk­ler und Ta­schen­spie­ler auf Märk­ten und bei pri­va­ten Fes­ten auf. Be­cher­spie­le mit klei­nen Ku­geln oder Stein­chen, Vor­läu­fer des spä­te­ren Hüt­chen­spiels, sind auf Wand­ma­le­rei­en in Pom­pe­ji do­ku­men­tiert. Auch grie­chi­sche Tem­pel­pries­ter nutz­ten me­cha­ni­sche Vor­rich­tun­gen, etwa selbst­öff­nen­de Tü­ren oder schein­bar von Geis­ter­hand be­weg­te Sta­tu­en, um re­li­gi­ö­se Ehr­furcht zu er­zeu­gen. Die Gren­ze zwi­schen re­li­gi­ös-ri­tu­el­len Prak­ti­ken und welt­li­cher Un­ter­hal­tungs­kunst war in der An­ti­ke flie­ßend.

Im europäischen Mit­tel­al­ter über­leb­te die Zau­ber­kunst vor al­lem als fah­ren­des Ge­wer­be. Gauk­ler, Pos­sen­rei­ßer und Ta­schen­spie­ler zo­gen von Dorf zu Dorf und tra­ten auf Märk­ten wie bei hö­fi­schen Fes­ten auf. Ihre Kunst­stü­cke, Be­cher­spie­le, Kar­ten­tricks, klei­ne Ver­schwin­de­num­mern, wa­ren ein­fach ge­nug, um im Frei­en vor größerem Pub­li­kum zu funk­ti­o­nie­ren, ent­hiel­ten aber be­reits Tech­ni­ken, die spä­ter in Sa­lon und auf die Büh­ne ein­zie­hen soll­ten.

Mit der Re­nais­sance und dem Auf­stieg ei­nes ge­bil­de­ten Bür­ger­tums ver­än­dert sich der Rah­men, in dem Zau­ber­kunst statt­fin­det: Hö­fi­sche Fes­te, ad­li­ge Sa­lons und spä­ter auch bür­ger­li­che Ge­sell­schaf­ten wer­den zu Auf­füh­rungs­or­ten. Hand­werk­lich ge­fer­tig­te Re­qui­si­ten, Be­cher, Mün­zen, prä­pa­rier­te Kar­ten­decks, er­lau­ben auch fei­ne­re, klein­tei­li­ge­re Ef­fek­te.

Schachtürke Im 17. und 18. Jahr­hun­dert ent­steht pa­ral­lel dazu eine Fas­zi­na­tion für Au­to­ma­ten und me­cha­ni­sche Wun­der­wer­ke. Jacques de Vau­can­son (1709–1782) kon­stru­ier­te 1739 seine be­rühm­te me­cha­ni­sche Ente, die zu fres­sen und zu ver­dau­en schien. Wolf­gang von Kem­pe­len (1734–1804) prä­sen­tier­te 1770 sei­nen „Schach­tür­ken“, ei­nen schein­bar selbst­stän­dig Schach spie­len­den Au­to­ma­ten, der in Wahr­heit ei­nen ver­bor­ge­nen mensch­li­chen Spie­ler ent­hielt. Die­se Ap­pa­ra­te wa­ren kei­ne Sa­lon­ma­gie im en­ge­ren Sin­ne, ver­schmol­zen aber mit ihr: Die Auf­klä­rung lieb­te Il­lu­si­o­nen, die als „na­tür­li­che Ma­gie“, er­klär­bar durch Phy­sik und Me­cha­nik statt durch Zau­be­rei, prä­sen­tiert wur­den, und eb­ne­te da­mit den Weg für eine Zau­ber­kunst, die sich selbst­be­wusst als Un­ter­hal­tungs­kunst und nicht als über­na­tür­li­ches Wir­ken ver­stand.

Als eigentlicher Va­ter der mo­der­nen Zau­ber­kunst gilt der Fran­zo­se Jean-Eu­gène Ro­bert-Hou­din (1805–1871). Der ge­lern­te Uhr­ma­cher er­öff­ne­te 1845 in Pa­ris sein „Thé­âtre Ro­bert-Hou­din“, in dem er im ele­gan­ten Frack, ohne Zau­ber­hut und Zau­ber­stab, vor bür­ger­li­chem Pub­li­kum auf­trat. Er er­setz­te die tra­di­ti­o­nel­le Jahr­markts­äs­the­tik durch die des dis­tin­gu­ier­ten Gentle­mans im ei­ge­nen Sa­lon, ein Rol­len­bild, das die Sa­lon­ma­gie bis heu­te prägt. Ro­bert-Hou­din ent­wi­ckel­te zu­dem me­cha­ni­sche Au­to­ma­ten von ho­her Prä­zi­si­on, etwa ei­nen schrei­ben­den und zeich­nen­den Au­to­ma­ten, und ver­band so hand­werk­li­ches Kön­nen mit psy­cho­lo­gi­scher Raf­fi­nes­se.

Klinckowstroem un­ter­teilt den Text in elf Ka­pi­tel, die je­weils ei­ner spe­zi­el­len Rich­tung der Zau­ber­kunst zu­ge­ord­net wer­den so­wie he­raus­ra­gen­de Per­sön­lich­kei­ten der Ma­gie­ge­schich­te vor­stel­len. Von „Die gro­ßen Meis­ter“ über „Klein­zau­be­rei“ und „Kar­ten­küns­te“ zu „Geis­ter auf der Zau­ber­büh­ne“ und „Fa­kir­küns­te“. Ein schö­ner Über­blick für alle, die sich ger­ne ver­blüf­fen las­sen und de­nen das Stau­nen noch nicht ab­han­den ge­kom­men ist. Das Buch ist nur noch über den An­ti­qua­ri­ats­buch­han­del zu be­zie­hen.

Zauberkunst Carl Ludwig Fried­rich Otto Graf von Klin­ckow­stroem (1884–1969) wand­te sich nach dem Stu­di­um der Phi­lo­so­phie, Li­te­ra­tur­ge­schich­te und Phy­sik der Ge­schich­te von Phy­sik und Tech­nik zu, über die er zahl­rei­che Ab­hand­lun­gen ver­öf­fent­lich­te. Seit Mit­te der zwan­zi­ger Jah­re be­schäf­tig­te sich der Pri­vat­ge­lehr­te zu­dem mit Ok­kul­tis­mus und Zau­ber­kunst (Sa­lon­ma­gie) und trat dazu mit Vor­trä­gen und Pub­li­ka­ti­o­nen her­vor. Er be­saß eine der um­fang­reichs­ten Bib­li­o­the­ken sei­ner Zeit zum The­ma Zau­be­rei.

2. August 2026

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