Stewart O'Nan:
Westlich des Sunset. Roman.
Aus dem Englischen von Thomas Gunkel.
Rowohlt Verlag 2016, 413 Seiten, ISBN 978 3 498 05045 0
Der Ruhm ist längst verblasst, das Vermögen verjubelt. Die Frau sitzt in der Psychiatrie, die Tochter ist in ein teures Internat abgeschoben. Das kostet Geld. Viel Geld. Und dann drücken noch die Schulden. In dieser Situation verkauft F. Scott Fitzgerald seine Seele an die Drehbuchfabrik in Hollywood. Das ist der Plot, den Stewart O'Nan auf mehr als 400 Seiten und über die letzten drei Lebensjahre Fitzgeralds vor uns ausbreitet.
„West of Sunset“ beleuchtet die letzten, oft übersehenen Jahre von F. Scott Fitzgerald – geprägt von Niedergang, finanziellen Sorgen und dem Kampf um Würde. Vom einstigen Glanz des berühmten Autors von „Der große Gatsby“ werden keine Rechnungen bezahlt, Fitzgerald schleppt sich von Vertrag zu Vertrag, von Drehbuch zu Drehbuch. Keines davon wird er vollenden, keines seine Handschrift tragen. O'Nan zeigt Fitzgeralds Leben zwischen 1937 und 1940 in Hollywood als einen Kampf mit Alkoholismus, Schlafmittelmissbrauch, Schulden und dem Gefühl des Scheiterns.
Fitzgerald bewegt sich im Kreis um Dorothy Parker, Humphrey Bogart und Ernest Hemingway. Doch die überschäumende Stimmung der Roaring Twenties ist versiegt; der Krieg liegt wie ein dichter werdender Nebel über den trotzig Feiernden.
In dieser Zeit tritt die bedeutend jüngere Gesellschaftskolumnistin Sheilah Graham in Fitzgeralds Leben und er verliebt sich in sie. Doch diese Liebe ist nicht unbelastet, vor allem von den Schuldgefühlen gegenüber seiner Frau Zelda(*), die noch immer hofft, eines Tages wieder in ein normales Leben zurückkehren zu können(**).
Rückfälle in alkoholische Exzesse und Beteuerungen zukünftiger Enthaltsamkeit wechseln sich ab. Mit Budd Schulberg findet Fitzgerald einen Saufkumpan und verliert darüber erneut einen Job. Es geht bergab.
Thematisch geht es um das Leben nach dem Erfolg, wenn der Mythos verblasst. O'Nans Stil ist zurückhaltend und spiegelt Fitzgeralds emotionale Erschöpfung wider. Der Roman besteht aus kleinen, unspektakulären Momenten – Alltagsszenen, Rückfällen und Begegnungen mit Zelda, Tochter Scottie und der Geliebten Sheilah Graham. Der Autor verzichtet auf dramatische Höhepunkte und vermittelt stattdessen das langsame Entschwinden eines Lebens. „Westlich des Sunset“ ist kein dramatisches, sondern ein nachdenkliches, oft düsteres Buch.
* „Für Betrüger gibt es einen eigenen Kreis der Hölle.“ S. 200
** Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllen sollte. Sie wird 1948 – durch Beruhigungsmittel in ihrer Mobilität eingeschränkt – bei einem Feuer im Highland Mental Hospital in Asheville, North Carolina, ums Leben kommen.
→ Stewart O'Nan: Das Glück der anderen.
30. März 2026