Kassiber Duell
Autoren Glossen Lyrik

Rayk Wieland Beleidigung dritten Grade Rayk Wieland:
Beleidigung drit­ten Gra­des. Ro­man.
Verlag Ant­je Kunst­mann 2022, 366 Seiten, ISBN 978-3-95614-481-3

Als der Psychiater Os­kar B. Mar­kov an ei­nem win­ter­li­chen Nach­mit­tag auf der Po­li­zei­wa­che am Ale­xan­der­platz An­zei­ge er­stat­ten will, ste­hen die Be­am­ten vor ei­nem Rät­sel: Er wur­de zum Duell ge­for­dert! Sein Kon­tra­hent ist Ale­xan­der Schill, ein An­ti­quar und lei­den­schaft­li­cher Du­ell­ex­per­te, der es nicht er­tra­gen kann, dass sei­ne Ex-Part­ne­rin nun mit Mar­kov li­iert ist. Für Schill ist dies eine Be­lei­di­gung drit­ten Gra­des und nur ein Pis­to­len­du­ell kann sei­ne Ehre wie­der­her­stel­len. Wäh­rend die über­for­der­te Po­li­zei rat­los ist, ent­wi­ckelt sich ein irr­wit­zi­ges Ge­sche­hen, das aber auch eine klei­ne und hu­mor­vol­le Ein­füh­rung in die Kul­tur­ge­schich­te des Duells dar­stellt.

Schill gerät an eine Grup­pe Rus­sen, von de­nen er schließ­lich auf ei­ner Auk­tion er­stei­ger­te Pis­to­len er­hält, die be­reits 1937 beim letz­ten of­fi­zi­el­len deut­schen Duell in Ho­hen­ly­chen zum Ein­satz ge­kom­men wa­ren. Da­mals du­el­lier­ten sich Ro­land Strunk, Haupt­sturm­füh­rer der SS und Kriegs­re­por­ter des Völ­ki­schen Be­ob­ach­ters, mit Horst Krut­schin­na, Ge­biets­füh­rer der HJ und per­sön­li­cher Ad­ju­tant des Reichs­ju­gend­füh­rers Bal­dur von Schi­rach. Strunk hat­te sei­ne Frau und Krut­schin­na in ei­ner ver­fäng­li­chen Si­tu­a­tion über­rascht und sah da­mit den Tat­be­stand der „Ver­füh­rung ei­ner Frau­ens­per­son“ er­füllt, der nach ei­nem ent­spre­chen­den Co­dex der SS eine Be­lei­di­gung drit­ten Gra­des dar­stell­te und nur durch ein Duell ge­sühnt wer­den konn­te.*

Die Russen hel­fen Schill bei den Vor­be­rei­tun­gen, wäh­rend Mar­kov in Pa­ra­noia ver­sinkt und die Po­li­zei das dro­hen­de Fi­na­le nicht ver­hin­dern kann. Es kommt zum Show­down, den nur ei­ner über­le­ben kann.

Rayk Wieland ver­knüpft das letz­te his­to­risch ver­bürg­te Duell, das in Deutsch­land statt­ge­fun­den hat, mit ei­ner Pa­ro­die auf to­xi­sche Männ­lich­keit in der Ge­gen­wart. Auch in Wie­lands Ge­schich­te geht es um eine Frau, die nichts zu sa­gen hat und be­zeich­nen­der­wei­se in ei­nem Schwei­ge­klos­ter un­ter­ge­bracht wird.

Eine un­ter­halt­sa­me Lek­tü­re mit zahl­rei­chen his­to­ri­schen Du­ell­be­zü­gen.


* Seit 1871 wur­den in Deutsch­land Du­el­lan­ten mit Fes­tungs­haft be­straft. 1933 ho­ben die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten das Ver­bot auf und re­gel­ten Du­el­le in ei­nem be­son­de­ren Co­dex.


12. Februar 2026

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