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Johannes Willms Mirabeau oder die Morgenröte der Revolution Johannes Willms
Mirabeau oder Die Mor­gen­rö­te der Re­vo­lu­tion. Eine Bio­gra­phie.
Verlag C.H. Beck 2017, 396 Sei­ten
ISBN 978 3 406 70498 7

Honoré-Gabriel Ri­quet­ti, Com­te de Mi­ra­beau (1749–1791), ent­stamm­te ei­ner Adels­fa­mi­lie mit ita­lie­ni­schen Wur­zeln. Er wuchs in der fran­zö­si­schen Pro­vinz auf, er­krank­te als Kind an Po­cken (sein Ge­sicht war von den Nar­ben stark ge­zeich­net) und stand in per­ma­nen­tem Kon­flikt mit sei­nem Va­ter. Schon als Ju­gend­li­cher ver­schul­de­te er sich durch ei­nen aus­schwei­fen­den Le­bens­stil, was sich Zeit sei­nes Le­bens nicht än­dern soll­te. Die Hei­rat mit einer jun­gen Frau aus ver­mö­gen­der Fa­mi­lie konn­te ihn nicht vor wei­te­ren Schulden be­wah­ren, die Ehe war bald völ­lig zer­rüt­tet.

Um den Sohn zurück auf die rech­te Bahn zu brin­gen, er­lang­te Mi­ra­beaus Va­ter im Lauf der Zeit meh­re­re „lettres de cachet“ ge­gen ihn, die ihn qua­si un­ter Vor­mund­schaft stell­ten und zu ei­ni­gen Ge­fäng­nis­auf­ent­hal­ten führ­ten.

Nach dem Studium der Juris­pru­denz ar­bei­te­te Mi­ra­beau als Jour­na­list und pu­bli­zier­te zahl­rei­che Schrif­ten, in de­nen er sich für die Rech­te des Vol­kes und ge­gen die Pri­vi­le­gi­en des Adels aus­sprach. 1789 wur­de er als Ab­ge­ord­ne­ter des drit­ten Stan­des in die Ge­ne­ral­stän­de ge­wählt. In der Na­tio­nal­ver­samm­lung war er ei­ner der wich­tigs­ten Red­ner und präg­te die Ent­wick­lung der Re­vo­lu­tion ent­schei­dend mit. Er war und blieb Mo­nar­chist nach dem Vor­bild der eng­li­schen kon­sti­tu­ti­o­nel­len Mo­nar­chie.

Willms beschreibt Mi­ra­beau als Oppor­tu­nis­ten, des­sen Rän­ke und tak­ti­schen Win­kel­zü­ge Freund und Feind in Ver­wir­rung stür­zen konn­ten, der sich aber auch recht­ha­be­risch und sich selbst über­schät­zend als Rat­ge­ber des Kö­nigs und man­cher Mi­nis­ter an­dien­te. Nicht zu­letzt um ei­ne gut­do­tier­te Stel­lung zu be­zie­hen, die ihm sei­nen lu­xu­riö­sen Le­bens­wan­del fi­nan­zie­ren hel­fen soll­te. Sei­ne Geg­ner heg­ten lan­ge den Ver­dacht, dass er sich dem Kö­nig und des­sen Macht­ap­pa­rat ver­kauft hät­te, und tat­säch­lich fan­den sich nach Mi­ra­beaus Tod Do­ku­men­te, die be­wie­sen, dass er seit 1790 als Be­ra­ter des Kö­nigs eine üp­pi­ge Apa­nage be­zo­gen hat­te.

Johannes Willms' Mi­ra­beau-Bio­gra­fie ist ein ma­te­rial­rei­ches Werk, das sich auf zahl­rei­che Brief­wech­sel und zeit­ge­nös­si­sche Be­rich­te stützt. Zeit und Per­son wer­den um­fas­send und in­te­res­sant dar­ge­stellt. Willms stu­dier­te Ge­schich­te, Po­li­tik­wis­sen­schaf­ten, Kunst­ge­schich­te und Ar­chäo­lo­gie an den Uni­ver­si­tä­ten Wien, Hei­del­berg und Se­vil­la, ar­bei­te­te dann als Jour­na­list und pu­bli­zier­te meh­re­re Bü­cher, vor al­lem his­to­ri­schen In­halts.


30. Juli 2023

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